Der Weg zum „Vogelnest“

Es war ein langer, beschwerlicher, kostenintensiver, nervenaufreibender und schweißtreibender Weg, bis der Natur- und Vogelschutzverein Ebertsheim e.V. für sich ein Vereinsheim und für die Gemeinde ein Schmuckstück geschaffen hat.
Seit Gründung des Vereins vor 50 Jahren haben sich die Mitglieder in verschiedenen Lokalitäten in Ebertsheim getroffen. In sehr guter Erinnerung ist der Treffpunkt in der „Addeshütte“ im ehemaligen Grubengelände, welche einige Höhepunkte zu verzeichnen hatte. So wurde jährlich ein evangelischer Gottesdienst in der freien Natur gehalten und anschließend die Gäste zu Speis und Trank vom Verein eingeladen. Aus Naturschutzgründen, das Gebiet liegt am östlichen Rande des Naturparks Pfälzer-Wald, wurde dies von der zuständigen Kreisaufsicht verboten und der Verein war auf der Suche nach einem neuen Zuhause. Im Haus 17/19 in der Hauptstraße wurde in den 8ziger Jahren zuerst im Obergeschoss und später auch im Untergeschoss Räumlichkeiten von dem Verein genutzt, welche als Treffpunkt für vereinsinterne Besprechungen und zur Aufbewahrung von Material dienten. Der erste Vorsitzende, Herr Konrad Stiefenhöfer, konnte 1992 von der BASF eine alte Holzbaracke erwerben, welche nach entsprechenden Planierarbeiten neben dem Regenrückhaltebecken am Rande des Eisbachs aufgestellt wurde. In viel ehrenamtlicher Arbeit wurde der Boden entsprechend hergerichtet und die Natur- und Vogelfreunde freuten sich über einen schönen naturnahen Standort. Leider kam auch hier die zuständige Umweltbehörde und machte richtig Ärger, da das Gebiet automatisch unter Naturschutz gestellt war, worüber der Gemeinde keine Information vorlag. Alle Gespräche mit der Behörde waren ergebnislos, die Bude musste weg und wurde dann wieder in Eigenleistung entfernt und das Gelände in seinen ursprünglichen Zustand versetzt.
Was nun tun? Es gab die interessantesten Vorschläge: Neben dem Gebäude der Feuerwehr ein Versammlungsraum zu schaffen und gleichzeitig Räumlichkeiten für das immer umfangreichere Material zu erstellen. Mit dem Sportverein auf dessen Gelände eine entsprechende Möglichkeit für den Verein mit einem gemeinsamen Grillplatz zu erstellen, und wer weiß welche Ideen in dieser Zeit noch so alles besprochen wurden.

Das Haus in der Hauptstraße 17/19 wurde vor Jahren von der Gemeinde zum Abriss gekauft. Durch den Wechsel der Gemeinderatsmehrheit und des Bürgermeisters sowie der Aufkündigung des Mietvertrages der letzen Bewohnerin, Frau Hock, konnte in der Gemeinderatssitzung am 17.10.1994 das Haus an den Natur- und Vogelschutzverein mit 11 ja und 6 Gegenstimmen vermietet werden. Gleichzeitig entstand die Idee das alte Gebäude zu erhalten, wofür sich sehr schnell beim Verein Interessenten fanden. Durch die im Jahr 1994 begonnene und 1995 abgeschlossene Dorfentwicklung bestand nach langen Gesprächen mit den zuständigen Stellen nun die Möglichkeit die Maßnahme im Rahmen der Dorfentwicklung entsprechend zu bezuschussen. Von Herrn Albert Diemer wurde im Oktober 1995 eine entsprechende Planung erstellt und eine Zusammenstellung der erforderlichen Sanierungskosten erarbeitet, welche Grundlage für den Antrag auf Gewährung einer Zuwendung zur Förderung der Dorferneuerung war. Der Antrag wurde im Juli 1996 an die Bezirksregierung Rheinhessen-Pfalz über die Kreisverwaltung geleitet. Im September 1996 wurde an das Architekturbüro Radenheimer, Eisenberg, der Auftrag für ein Gutachten erteilt, welches von der Bezirksregierung angefordert wurde. Das Gutachten sollte prüfen, inwieweit eine Sanierung des Gebäudes nach der Planung überhaupt möglich sei. Das Ingenieurbüro Radenheimer bestätigte nach intensiver Prüfung der Bausubstanz die mögliche Sanierung.
Im Juli 1997 war der Antrag noch nicht genehmigt, so dass nochmals nachgehakt wurde. Im August 1997 schrieb der Ortsbürgermeister den Bezirkstagsvorsitzenden Herrn Winfried Hirschberger an um zu erreichen, dass endlich die Zustimmung zum Baubeginn erteilt wurde, denn die Vereinsmitglieder wurden so langsam unruhig und die Einsatzbereitschaft schien nachzulassen. Im November 1997 wurde die damalige CDU-Bundestagsabgeordnete Frau Dr. Maria Böhmer gebeten sich für die Maßnahme bei den zuständigen Stellen einzusetzen. Der Regierungspräsident Rheinhessen-Pfalz Herr Rainer Rund hat dann mit Schreiben vom 11.11.1997 mitgeteilt, dass eine Bewilligung von ihm noch im Jahr 1997 erteilt werden soll. Mit Datum vom 02.12.1997 wurde dann die Genehmigung der Bezirksregierung für die Maßnahme erteilt und somit war eine wirklich schwere Hürde genommen und die Arbeiten konnten beginnen, nachdem im Jahr 1998 nun alle Fraktionen im Gemeinderat die Maßnahme unterstützten.
Am 28.05.1998 beschloss der Gemeinderat eine Kooperations- und Nutzungsvereinbarung mit dem Natur- und Vogelschutzverein in dem die Arbeitsleistungen angerechnet wurden und dem Verein mit einer Ergänzung vom 02.12.1998 Räumlichkeiten für 40 Jahre zur Verfügung gestellt wurden. Gleichzeitig übernahm der Verein die Hausmeisterfunktion für das Obergeschoss, welches den örtlichen Vereinen und den Einwohnern zur Verfügung gestellt werden sollte. Die Entkernung des Gebäudes und die Renovierungsarbeiten wurden von den Mitgliedern des Vereines in über 8.000 Stunden Eigenleistung erbracht. Die Elektro-, Zimmer-, Dachdecker- Spengler- und Isolierarbeiten, die Estricharbeiten und die Heizungsanlage, die Herstellung und der Einbau der Fenster, wurden von Fachfirmen ausgeführt. Die Gesamtmaßnahme wurde mit 227.661,49 € abgeschlossen, wovon die Gemeinde Zuschüsse von 168.652,14 € im Rahmen der Dorferneuerung erhielt und die Eigenleistungen des Vereins mit über 43.000 € bewertet wurden.
Am 24.Februar 2001 konnte im Rahmen einer Einweihungsfeierlichkeit das Projekt abgeschlossen und an den Natur- und Vogelschutzverein übergeben werden.
Seit dieser Zeit ist das Schmuckstück in unserem Dorf ein Treffpunkt für allerlei Veranstaltungen und aus dem Ortsbild nicht mehr wegzudenken.
Die jahrelange Arbeit hat sich gelohnt wie das schmucke Vereinsheim, das „Vogelnest“ heute zeigt. Mögen noch viele Jahre die Mitglieder des Natur- und Vogelschutzvereines ihre Freude an ihrem Werk haben und weiterhin Heimat sein für ein lobenswertes Bürgerengagement in Ebertsheim.
Im August 2005 erhielt Herr Jakob Hiel stellvertretend für das große Engagement der Vereinsmitglieder von Frau Landrätin Sabine Röhl die Ehrennadel des Landes Rheinland-Pfalz überreicht. Herr Hiel hat nicht nur bei diesem Projekt die Aufgabe des „POLIERS“ wahrgenommen, ohne dessen verantwortlichen Einsatz die Maßnahme nicht möglich gewesen wäre, sondern setzt sich auch immer wieder für Aufgaben in der Gemeinde und im kirchlichen Bereich mit seiner ganzen Kraft ein.

(von Klaus Linska, Veröffentlicht im Heimat-Jahrbuch 2008 des Landkreises Bad Dürkheim)