Sense, Sandstein und Solarzellen

Ein Dorf im Grünen verändert seine Struktur und sein Gesicht

Hart gearbeitet wurde in Ebertsheim und Rodenbach schon immer: ganz früher auf den Feldern und in den Handwerksbetrieben, seit dem 17. Jahrhundert auch in den Sandsteinbrüchen - den "Gruben" - und ab 1861 in der Papierfabrik, die noch heute das Erscheinungsbild des Ortes prägt. Die ältesten Einwohner des Ortes haben die Zeit Ebertsheimnoch erlebt, als die meisten Ebertsheimer und Rodenbacher noch im Dorf selbst Arbeit fanden. Sogar aus dem Umland pendelten die Menschen ein, zu Fuß oder - ab 1880 - auch mit der Eisenbahn. Die Jüngeren im Ort haben die Arbeit in den Steinbrüchen, die in den 40er Jahren eingestellt wurde, schon nicht mehr miterlebt. Und die ganz Jungen können sich nicht einmal mehr erinnern, wie es war, als der Schornstein der Papierfabrik rauchte. 1982 ging das Unternehmen in Konkurs. Die Arbeit auf den Feldern ist nicht weniger geworden, und doch ernährt sie im Ort heute nur noch wenige. Die große Mehrheit der Arbeitnehmer pendelt mittlerweile in die Städte der näheren und weiteren Umgebung. Ebertsheim-Rodenbach ist "Wohn- und Schlafstätte" geworden, und ist doch überhaupt nicht verschlafen. Das Vereinsleben ist überaus rege, und das ortsansässige Gewerbe bedient den täglichen Bedarf: Ein Lebensmittelgeschäft, eine Metzgerei, ein Blumenhaus, ein Elektrofachhandel, Bankfiliale und sogar einen Arzt und einen Tierarzt finden sich neben weiteren Gewerbebetrieben noch im Dorf. Für viele Einwohner sind die Geschäfte in der Gemeinde nicht nur Einkaufs- und Versorgungseinrichtungen, sonder auch Orte der Kommunikation. Sogar in die weitläufigen Gebäudekomplexe der Papierfabrik ist neues Leben gezogen: Ökologisch ausgerichtete Firmen und Initiativen siedelten sich in den leeren Werkhallen an - und auch die Familien dieser Unternehmer wohnen seit Mitte der 80er Jahre auf dem Fabrikgelände. "Wohnen und Arbeiten an einem Ort" heißt hier die Devise, die Pendlerverkehr vermeidet. Wer nach Ebertsheim-Rodenbach kommen will, kann seit 1994 auch wieder die vorübergehend stillgelegte Eisenbahn benutzen. Ein Besuch lohnt sich wirklich, denn reizvolle Wanderwege führen von Ebertsheim und Rodenbach aus in die Region zwischen Wald und Wein.